90 Jahre Tennis-Gesellschaft Ravensberg (TGR) – und noch viel mehr

Im Jahr 2016 kann die TGR auf 90 Jahre Tennissport zurückblicken. Damit ist der Kieler Club einer der ältesten und auch erfolgreichsten Tennisvereine Schleswig-Holsteins, geprägt durch Engagement, Ideen und Aktivitäten seiner Mitglieder – Eigenschaften, die sicher auch die Zukunft der TGR positiv gestalten werden.

Gründung im Rahmen des Kieler-Männer-Turn-Vereins (KMTV)

Nach einem lockeren Zusammenschluss tennisbegeisterter Turner kam es Anfang 1926 im KMTV zur offiziellen Gründung der Tennisabteilung, womit der Nachweis erbracht wurde – wie im Vereinsblatt nachzulesen war –, dass „Tennis eine durchaus ernst zu nehmende sportliche Tätigkeit“ sei. So sahen es auch die Spieler, die dann in den Jahren 1930 bis 1935 mehrere Titel als norddeutsche Landesmeister errangen. Übrigens „ganz in weiß“ – eine andere Tenniskleidung wäre dem Ansehen des Clubs schädlich gewesen – so stand es ebenfalls im Vereinsblatt. 1930 wurden drei vereinseigene Tennisplätze an der Alsenstraße, Ecke Knooper Weg errichtet, die der Verein aber bereits 1937 wieder verließ, um an die Gutenbergstraße umzuziehen. In dieser Straße gab es auch – und das schon 1928 – Tennisplätze in einer großen Messehalle, die später den Bomben zum Opfer fiel. Nach dem 2. Weltkrieg zog die Tennisabteilung des KMTV auf die Anlage am Wasserturm um, wo sich unsere Spielerinnen und Spieler noch heute außerordentlich wohlfühlen.

Wiederaufbau nach dem Krieg / Selbständigkeit als "TG Ravensberg"

Im Laufe des Krieges war auch die Tennisanlage zerstört worden, mit der Folge, dass die Platzschäden, die Sprinkleranlagen sowie der Schuppen repariert und neu aufgebaut werden mussten. Der Aufwand hierfür war enorm und verlangte den Mitgliedern, die dafür einen großen Teil ihrer Freizeit einsetzten, viel Arbeit und Idealismus. Die rote Erde für die Plätze oder neue Tennisbälle wurden für Butter, Glühbirnen oder Zigaretten eingetauscht und irgendwie ging es immer weiter voran. 1949 kam es zum ersten Spatenstich für ein neues Clubhaus.

Gleichzeitig mit der Platzsanierung stellte sich der sportliche Erfolg ein. Der Club spielte immer in den höchsten Klassen des Landes. Parallel dazu entwickelte sich eine Geselligkeit im Verein, an die sich die damals Teilnehmenden noch immer gerne erinnern. Jeden Donnerstag wurde getanzt, die Endspiele der Vereinsmeisterschaft fanden vor gut 100 begeistert mitgehenden Zuschauern statt.

Seit 1951 fanden auf den Plätzen am Ravensberg auch die Kieler Stadtmeisterschaften statt, ein Höhepunkt im Sportleben der Landeshauptstadt, und zwar vor so vielen Zuschauern, dass man sich rechtzeitig um einen Platz bemühen musste, wollte man das Endspiel sehen. 1960 löste sich die Abteilung, inzwischen groß und selbstständig geworden, aus dem KMTV und nannte sich fortan „TG Ravensberg“.

Freundschaftsspiele und sportliche Höhepunkte

Der Verein kann auf viele sportliche Erfolge zurückblicken, im weitesten Sinne auch auf eine olympische Goldmedaille, die das Mitglied Käthe Schmidt-Sohnemann 1936 im Turnen gewann. Aber es ging nicht nur um sportliche Lorbeeren – die TGR war im Bereich der Freundschaftsspiele wohl der rührigste Verein in Schleswig-Holstein. Damen- und Herrenmannschaften reisten samt Schlachtenbummlern nach Bad Harzburg, Marburg, Berlin, Kopenhagen, Hannover, Schwerin und Leipzig. Fast jedes Wochende war verplant, und immer gab es auch Rückspiele und Feste im Ravensberger Clubhaus, die Legende wurden. Zur „Kieler Woche“ wurden Tennisspieler der englischen und amerikanischen Marine eingeladen, und es ging hoch her – so manches Mal mit dem Ergebnis, dass am nächsten Morgen nicht alle Termine eingehalten werden konnten. Unvergesslich sind allen Beteiligten die Reisen nach Leipzig im damals geteilten Land. Es entstanden Freundschaften über die Mauer hinweg, mehrfach kamen die Leipziger zu uns, dankbar und glücklich, die Grenze überwunden zu haben. Das alles charakterisierte die 60er Jahre, eine Zeit des Reisens sowie der fröhlichen Freundschaftsspiele, die in die Geschichte des Vereins eingegangen ist.

Die eigentliche Leistungsexplosion im Sport erfolgte in den 70er Jahren. Die TGR war als einziger Verein des Landes mit Damen, Herren und Senioren in der Regionalliga vertreten. Es gab sogar ein Aufstiegsspiel zur Bundesliga, 1975 gegen Frankfurt, das schlagkräftig mit mehreren deutschen Ranglistenspielern antrat und der TGR den Zugang zur höchsten deutschen Spielklasse leider verwehrte. Folgende Einzelspielerinnen und Einzelspieler prägten die Klasse der TGR: Wolfgang König wurde deutscher Meister der Junioren, Imke Butenop gewann 1973 die Landesmeisterschaft in drei Konkurrenzen, Heiner Rüschmann wurde zweimal Landesmeister, Uta Lippold gewann diesen Titel im Abonnement und platzierte sich für die deutsche Rangliste. Die Herrenmannschaft war in Schleswig-Holstein nicht zu schlagen. Damals gab es glänzendes Tennis auf unseren Plätzen zu sehen. Von weither kamen Zuschauer zu den Punktspielen. Es war eine Zeit, in der unser Schlachtruf „Vorhand, Rückhand, Schmetterball – Ravensberg siegt überall“ wirklich berechtigt war. Am Rande erwähnt: Der Club hatte in der 70er Jahren mehr als 500 Mitglieder.

Vom Hannes-Flechsig-Turnier bis heute.

Es waren aber nicht allein die erwachsenen Spielerinnen und Spieler, die das Image der TGR prägten, sondern auch die jüngsten. 1967 richtete Hannes Flechsig ein Bambino-Turnier ein, das noch heute jedes Jahr auf der Anlage der TGR stattfindet und mittlerweile eine überregionale Bedeutung für den Tennisnachwuchs hat.

Aber die TGR erlebte auch eine „Krise“, mitverursacht dadurch, dass sich der Tennissport zum Breitensport entwickelte. Viele Vereine boten zusätzlich zu ihren bisherigen Sportarten nun auch Tennis an, sodass es nicht mehr notwendig war, in einen reinen Tennisverein einzutreten, um den Sport auszuüben.

Die „Krise“ der TGR, die sich in einer deutlich gesunkenen Mitgliederzahl widerspiegelte, konnte aber seit Anfang 2000 überwunden werden. Hauptsächlich zu verdanken ist das einer hervorragenden Jugendarbeit der Tennistrainer und einem Vereinsheim, in dem auch getanzt wird, wenn auch nicht wöchentlich und nach anderen Rhythmen als früher, und wo Bundesliga-Fußball life übertragen wird.

Auch das Äußere der TGR-Anlage ist erheblich aufgeputzt worden. Dazu beigetragen haben unermüdliche Mitglieder, die unter der fachlichen Anleitung des meisterhaften Platzwarts und im Rahmen von Arbeitsstunden die Anlage pflegen und verschönern. Auf Grund der gestiegenen Zahl der Clubmitglieder verbesserte sich auch die Finanzlage der TGR, sodass notwendige Renovierungen und Verschönerungen am Dach des Vereinsheim, in den Duschräumen und der Terrasse sowie der Ausbau des Geräteschuppens durchgeführt werden konnten. Neben diesen materiellen Maßnahmen wurde gleichzeitig das Sportangebot der TGR erweitert. Natürlich ist Tennis das „A und O“ des Vereins am Wasserturm. Daneben erfreut sich seit ein paar Jahren das Beachballspiel auf einem umfunktionierten Tennisplatz besonderer Beliebtheit. Dieses zusätzliche Angebot wird übrigens nicht nur von Ravensbergerinnen und Ravensbergern genutzt, sondern auch von Nichtmitgliedern wie zum Beispiel Schülern des RBZ Wirtschaft, die die räumliche Nähe zur TGR gerne nutzen. Neben dem Beachballplatz hat die TGR einen Fitness-Raum eingerichtet, in dem nicht nur die Spitzenspieler kräftig trainieren. Noch in diesem Jahr wird ein weiteres geselliges Sportangebot geschaffen, nämlich eine Boulebahn. Daneben ist auch noch ein „Frei-Luft-Schachspiel“ geplant.

Auf der Basis der hervorragenden Jugend- und Trainingsarbeit, des breiten Sportangebots sowie der anderen genannten positiven Rahmenbedingungen kann die TGR mit viel Optimismus in die Zukunft schauen. Schon jetzt ist die Zahl der Mitglieder auf weit über 300 gestiegen, darunter mehr als 100 Kinder und Jugendliche, für die besonders in diesem Jahr attraktive Veranstaltungen angeboten werden. Je drei Damen- und Herrenmannschaften kämpfen erfolgreich bei Punktspielen u. a. in der Verbandsliga. Die 30-jährigen Herren spielen sogar in der Landesliga, der höchsten Liga Schleswig-Holsteins.

Die TGR ist nun 90 Jahre alt, hat viel erlebt und große Herausforderungen gemeistert. Solch ein Tennisverein wird nicht nur 100 Jahre, sondern bleibt unsterblich...